Durch Burkhard- und Gilfenklamm

Zwei Wanderungen rahmen den Workshop ein. Gleich am ersten Tag geht es durch die Burkhardklamm. Am letzten Tag durch die Gilfenklamm nur wenige hundert Meter von unserer Pension entfernt.

Vom Bergbaumuseum Schneeberg in Maiern aus geht es in die Burkhardklamm. Für mich als Flachlandtiroler ist der Anblick der Berge um mich herum umwerfend. Die Berge die die Täler einrahmen, den Blick einengen aber gleichzeitig auch Weite und mächtige Größe vermitteln. Sehr unterschiedliche Dimensionen als von der Ostsee her gewohnt.

Auf dem Weg in die Klamm fallen mir die vielen kleinen und größeren Rinnsale auf. Vereinzelt gibt es auch richtige Wasserfälle die vom Berg in die Tiefe stürzen. Schmelzwasser vom Gipfel, denn es liegt oben immer noch einiges an Schnee. Sogar weiter unten am Rand der Wanderwege, teilweise noch knietief. Schöne Möglichkeiten für Detailaufnahmen. Ich liebe fließendes Wasser zu fotografieren. Basti nimmt ein paar Schluck vom kalten Wasser.

 

Nach dem ersten km wird es steiler, die ersten 50 Höhenmeter müssen überwunden werden. Überraschenderweise bringt es mich ganz schön aus der Puste. Ich dachte ich hätte mich gut vorbereitet. Dass es kein Spaziergang werden würde, darauf hatte ich mich eingestellt. An den Wochenenden vorher war ich zum Trainieren immer um die 15km wandern. Aber im Darßwald an der Küste und nicht in 1000-2000m Höhe. Das macht anscheinend doch einen ziemlichen Unterschied. Und zugegeben bin ich nicht der Konditionsstärkste. Also kämpfen und weiter. Schließlich hält auch Jürgen mit seinen 66 Jahren mit, Hut ab!

Nach gut 2 Stunden, 4km Strecke und 200 Höhenmetern sind wir an der Klamm. Durch diese Engstelle rauscht der Mareiter (oder auch Ridnauner) Bach, gespeist vom Schmelzwasser aus bis zu 3471m Höhe. Das Wasser ist unglaublich hell und klar. Fließt unglaublich schnell in seinem steinernen Bett. Mutig baue ich mein Reisestativ am Rand des reißenden Bachs auf und stelle es vorsichtig in die Fluten. Dazu noch einen ND64 Filter auf das Objektiv, Verschlusszeit 1/90 Sekunde. Zwischen den Aufnahmen immer wieder Wassertropfen vom Objektiv wischen. Am Ende bin ich mit dem Ergebnis aber nicht so wirklich zufrieden. Die Stelle ist nicht ideal, ich lasse mir zu wenig Zeit.

 

Zurück geht es am Ufer des Mareiter Bachs entlang durch den letzten Schnee. Nicht ganz einfach wenn man mitunter bis zum Knie im Schnee stecken bleibt. Dazu zwei bis drei Meter neben einem die Fluten in die man fallen könnte wenn man nicht aufpasst. Basti schlendert hier locker mit Händen in den Hosentaschen lang :-)

Nach gut einer Stunde mühsamen Abstiegs, der Weg ist stellenweise wegen des vielen Gerölls kaum zu erkennen, fahren wir zurück zur Pension. Ab unter die Dusche und ein kleines Nickerchen machen nach der kurzen, letzten Nacht. Wie erholsam das doch schon sein kann :-)

 

Gilfenklamm

Am letzten Tag laufen wir direkt von der Pension nur ein paar hundert Meter zum Eingang der Gilfenklamm. Die ganze Woche flogen hier immer wieder Hubschrauber mit Bauteilen zur Ausbesserung der Brücken in der Klamm ein. Nach den Wintermonaten musste dieses Jahr einiges erneuert werden. Ein sicheres Gefühl dass wir mit die ersten waren auf den neuen Wegen.

Das besondere an der Gilfenklamm ist dass sie zu großen Teilen aus Marmor besteht. Die einzige Marmorschlucht in ganz Europa! Bis zum heutigen Tag wird im Ratschingstal immer noch Marmor abgebaut. Ein Teil des Marmors der Innsbrucker Hofkirche stammt aus dieser Gegend, damit genug fun facts!

 

Da wo die Burkhardklamm aufhört in Sachen Wildheit, Größe, Wassermassen, Erlebnis, Staunen, da fängt die Gilfenklamm erst an! Es geht gemächlich los, an einer flachen Uferstelle bleiben wir etwas länger als eine halbe Stunde. Dieses mal habe ich mein großes Stativ mit und bin in meinem Element. Schnell fließendes Wasser umspült Steine noch und nöcher. Hier könnte ich mich auch Stunden aufhalten. Ich arbeite von Ultraweitwinkel für das Große Ganze bis Tele für die Details mit drei verschiedenen Objektiven und Graufiltern. Hier kann man so viel mitnehmen, so viele Perspektiven. Steine für den Vordergrund, Linienführung des Flußes vom Horizont bis auf den Betrachter zu. Gerne wäre ich noch länger geblieben.

Auf dem weiteren Weg nehme ich ein paar Detailaufnahmen mit. Von Ulla bekommen wir die Aufgabe Bilder mit Bokeh zu machen. Dafür suche ich mir Blätter nah vor der Linse, im Hintergrund das Blätterdach mit dem durchschimmernden Sonnenlicht. Mit offener Blende entstehen stimmungsvolle Detailfotos. Zwischendurch immer wieder kleinere Wasserzuläufe die zum Spielen mit der Belichtungszeit herausfordern. Hier unter den Bäumen ist es schummrig, da reicht schon das leichte Schließen der Blende um gute Belichtungszeiten für mit Struktur eingefrorenes Wasser zu bekommen.

 

Allmählich wird die Klamm immer enger, ich steige die ersten Treppen und Hängebrücken hinauf. Jetzt geht es erst richtig los! Die Wassermassen pressen sich durch teilweise nur wenige Meter schmale Engstellen. Der Lärm ist ohrenbetäubend, die Luft schwanger vom Wasser der Gischt. Überall sieht man den weißen Marmor. In den hunderten, tausenden Jahren trieb das Wasser auf seinem Weg wunderschöne Rundungen ins Gestein. Es ist sehr schwierig das in Bildern festzuhalten, ich hoffe man kann es erahnen. Ein unglaublich starkes Naturschauspiel und ein Höhepunkt der Reise.