Wenn jemand eine (Foto-)Reise tut... Teil 2

Teil 2, Blau und Beige

Am zweiten Tag geht es endlich on the road, fotografieren. Erster Halt ist an einem Kreisverkehr mitten auf der Insel. Gut, es ist nicht irgend ein stinknormaler Kreisverkehr. Er ist schon ziemlich groß. Und es stehen meterhohe Metallfiguren in der Mitte. Eine Kunstinstallation. Von Frank bekommen wir unsere erste Aufgabe: Blendensterne fotografieren und ein Bild auf dem die Figuren irgendwie miteinander interagieren.
Blendensterne sind jetzt kein Problem, wer meinen Text vom Traumschlösser-Workshop gelesen hat weiß warum. Obwohl, in der gleißenden Mittagssonne ist es nicht so einfach. Die Sonnenbrille muß man schon aufsetzen um sich nicht versehentlich die Netzhaut wegbrutzeln zu lassen beim Blick nach oben.
Das mit der Interaktion ist nicht so meins gewesen. Ich fand es schwer durch Veränderung meiner Perspektive einen kreativen Bildausschnitt zu finden.

 

Zweite Station ist die Almudaina d’Artà ganz im Osten der Insel. Eine Festung aus der Zeit der Mauren. Im Innern der Mauern steht heute die Wallfahrtskirche Sant Salvador d’Artà. Die erste Aufgabe hier: etwas blaues und etwas beiges gemeinsam auf ein Bild bannen. Zweite Aufgabe: einen Schatten von etwas fotografieren so dass erkennbar wird was man fotografiert hat ohne das Objekt selbst im Bild zu sehen. Man kann mir folgen?

Blau und beige sind wirklich einfach, hier kann man seine Kreativität ausleben. Der Himmel so blau wie ich ihn lange nicht mehr gesehen habe und die alten mediterranen Gemäuer bieten Beige-Töne in Hülle und Fülle. Für das zweite Motiv wähle ich die Schatten der Zinnen. Zwar kann man im Hintergrund andere Zinnen sehen, doch fand ich die Dopplung interessant.

Insgesamt bin ich drei oder vier mal durch die ganze Festungsanlage gegangen, jedes mal etwas anderes gesehen. Ich spiele ja gerne mit der Unschärfe bei offener Blende. Die Reihen von Zinnen ist genial dafür, man bekommt einen schönen Unschärfeverlauf nach hinten. Die Aufreihung im Bogen leitet den Blick schön durchs Bild.

Next Stop: Cala Agulla, am östlichsten Zipfel Mallorcas. Hier gibt es einen Küstenabschnitt mit Namen S'Entredor. Scharfe Felsen die vom Meer umspült werden. Ist es Lavagestein? So stelle ich es mir jedenfalls vor. Gut dass ich meine neuen, robusten Wanderstiefel eingepackt habe. Meine Straßenschuhe hätten hier sicherlich einige tiefe Risse abbekommen.

Frank gibt vor Ort eine kurze Einführung über Langzeitbelichtung am Tag mit Graufiltern. Verrät Tipps zur Bildgestaltung: Wellen auf sich zukommen lassen, nicht seitlich fotografieren. Bildausschnitt nicht zu weitwinkelig, auf die Wellen konzentrieren. Pi mal Daumen-Regel für die Belichtungszeit um die Wellen zu glätten. Ich möchte gerne noch Struktur erkennen und nicht alles wie Nebel aussehen lassen. Meine Belichtungszeiten: von 1/10 bis ca. 2 Sekunden.

Ehrgeizig wie ich bin möchte ich unbedingt ein eindrucksvolles Foto. Ich suche mir dazu eine Ecke aus die sehr nah am Meer ist. Die Wellen rauschen hier durch eine kleine Öffnung zwischen zwei Felsen hindurch. Von der Location bin ich begeistert, rau und ungestüm. Das Stativ ist schwer zu platzieren zwischen den Felsen. Ich muss aufpassen dass eine große Welle nicht alles mitreißt.

Ich gehe noch weiter nach vorne, viel weiter geht es nicht ohne erhebliche Gefahren einzugehen. Dann musste es natürlich passieren: eine riesige Welle baut sich auf. Drei mal so hoch wie alle vorhergehenden. Ich reiße gerade noch das Stativ mit der Kamera hoch. Glück gehabt, die Kamera hat nur ein paar Tropfen abbekommen, kein Problem. Ich bin allerdings von Brustkorb abwärts voll durchnässt. Gut das wir auf Mallorca bei gut 20°C unterwegs sind :-) Gut, die Bilder waren im Kasten, zurück zur Gruppe.

Zum Abschluss des Tages stand noch der Sonnenuntergang in der Nähe von Cala Rajada auf der Tagesordnung. Tolles Licht fiel auf den Leuchturm Far de Capdepera, super fotografischer Abschluss des Tages. Dann geht die wilde Rückfahrt zum Hotel los. Um 20:30h sind wir da. Am nächsten Tag geht es in den bergigen Norden der Insel.

Und noch einen Dank an Frank Fischer für die tollen Making Of Fotos die ich hier verwenden darf.