Mallorca Fotoreise Teil 3

Heute geht es in die Tramuntana, ein Gebirgeszug im Nordwesten, Weltnaturerbe. Wieder mal werde ich überrascht von der vielseitigen Schönheit der Insel. Über unzählige Serpentinen geht es durch die Berge, wir halten an einigen Aussichtspunkten. So früh sind wir noch ziemlich ungestört. Die Busse mit den Reisegruppen kommen erst nach uns. Zeit in Ruhe zu geniessen. Am ersten Aussichtspunkt, dem Mirador de Ricardo Roca, fotografieren wir ohne "Auftrag". Die grün bewaldeten Berghänge treffen hier auf tiefblaues Meer und Himmel, nur wenige Wolken. Die Sonne steht noch tief und streift über die Landschaft, erzeugt weiches Licht und Schatten. Es ist angenehm frisch.

 

Wir bleiben ungefähr eine Stunde bis es weitergeht zum Torre del Verger, nur einen Katzensprung entfernt. Er wird auch Torre de ses Ànimes genannt, Turm der Seelen, was für ein geheimnisvoller Name! Ein Wachturm, 1579 erbaut, um den Küstenabschnitt vor Piratenüberfällen zu schützen. Hier gibt es den Auftrag den Turm und seinen Zugang weitwinkelig aufzunehmen. Zuerst ein paar Schüsse mit meinem Olympus 9-18mm. Aufpassen dass der Turm auf einem Drittel liegt, nicht zu sehr an den Rand gedrängt wird. Frank leiht mir dann sein neues Laowa 7,5mm f/2. Damit geht noch eine Ecke mehr aufs Bild. Und Männer wollen nun mal möglichst viel drauf bekommen, das große Ganze :-) Jetzt muss ich sehen dass das Geländer nicht zu dominant im Bild wird. Ich möchte das Geländer schön aus der unteren Ecke ins Bild laufen lassen. So habe ich es auch schon bei Bildern von Seebrücken gemacht. Frank und Dieter gefällt der Ansatz, sehen die beiden wohl sonst nicht. Freue mich über das Lob der beiden bei der abendlichen Bildbesprechung. Das Laowa macht gute Bilder und ist lichtstark, eine Überlegung wert wenn ich mir irgendwann ernsthaft eine Ultra-Weitwinkel-Festbrennweite zulegen möchte.

 

Inzwischen ist es Mittag und wir fahren Richtung Valldemossa, müssen aber kurz vorher wieder umdrehen da die Straße wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Stattdessen fahren wir nach Deià, ein anderes sehr malerisches Bergdorf mit nur ein paar hundert Einwohnern. Hier die Aufgabe: Bilder schießen die ganz besonders deutlich machen dass es sich eben um ein Bergdorf handelt. Ich laufe los und schaue mir die ersten Straßenzüge an. So richtig werde werde ich aber nicht warm mit dem Thema. Es ist ein wunderschönes Dörfchen, keine Frage. Steile Straßen, ein Transporter zwängt sich durch die engen Straßen um die Kurven, eine Frau verkauft aus dem Garten heraus selbstgemachte Limonaden und Citrusfrüchte. Die unvermeidliche Katze hält auf einer Mauer ein Mittagsschläfchen, vereinzelte Touristengrüppchen wandern umher. Alles sehr ruhig und beschaulich. Schließlich ist die Zeit um, wir treffen uns wieder im Zentrum. Ein paar Bilder die enge, steil abfallende Gassen und Berge im Hintergrund zeigen sind auf dem Chip.

 

Die vorletzte Station ist die Schlucht am Torrent de Pareis. Wir halten in Port de Sa Calobra. Die Schlucht ist die zweitgrößte im Mittelmeerraum. Hier fließt der Torrent (Sturzbach) de Pareis ins Mittelmeer. Das tut er allerdings nur nach starken Regenfällen, sonst führt er kein Wasser. Das sammelt sich im Stausee Gorg Blau, der die Wasserversorgungs Mallorcas gewährleistet. In der Nähe befindet sich der Puig Major, der höchste Berg (1436m) Mallorcas. Den gibts nachher noch zu sehen.

Vom Port de Sa Calobra müssen wir durch einen knapp mannshohen Tunnel bis sich die Schlucht vor einem öffnet. Der Anblick der steil abfallenden, über hundert Meter hohen, Wände der Schlucht ist gigantisch. Sie endet am nur 25m schmalen Strand der Cala de Sa Calobra. Ich gehe diesmal nicht an den überfüllten Strand sondern in die andere Richtung. Die Schlucht schlängelt sich nämlich kilometerweit ins Landesinnere. Bis 1932 konnte Sa Calobra nur durch diese Schlucht oder mit einem Boot erreicht werden. Heute ist es eine der größten Touristenattraktionen auf Mallorca. Nach ein paar hundert Metern die Schlucht entlang ist man fast allein und kann die Natur bewundern. Ich versuche die gigantischen Ausmaße mit der Kamera festzuhalten, versuche ein Panorama, sehr schwierig. Am Ende kommen nur ein paar mittelmäßige Bilder dabei raus.

 

Auf dem Rückweg halten wir am berühmten "Krawattenknoten". Von Sa Calobra aus führt die MA-2141 über 12km, 800 Höhenmeter und 12 Haarnadelkurven bis eben zu dieser "Kreuzung". Die Straße überkreuzt sich hier selbst durch eine Unterführung. Die Sonne geht langsam unter und verschwindet gerade hinter Wolken und dem Puig Major. Ein umwerfendes Farbspiel, der noch blaue Himmel, die orange glühenden Wolken und dazwischen der massive Berg dessen Spitze in Wolken gehüllt ist. Eine meiner schönsten Erinnerungen der Reise. Ich mache ein paar Bildserien mit unterschiedlichen Belichtungen (Exposure Bracket) um daraus später ein HDR zusammenzusetzen. Und natürlich mit den Augen fotografieren, die unter uns liegende Serpentinenstraße im Licht der untergehenden Sonne, Wahnsinn.